Saatgut sammeln — und weitergeben

Deine Pflanzen verschenken dir gerade etwas

Wenn Ringelblumen, Kapuzinerkresse oder Bohnen langsam verblühen und die Stängel eintrocknen, ist das kein Zeichen, dass die Saison vorbei ist. Es ist ein Angebot.

Die Samen, die jetzt reifen, sind ein Stück des Gartenjahres — eine Sorte, die bei dir und deinen Bedingungen gewachsen ist. Wenn du sie sammelst, trägst du sie ins nächste Jahr. Und wenn du sie weitergibst, bleibt die Sorte in der Region lebendig.

Woran erkennst du reife Samen?

Die einfachste Regel: wenn es trocken und braun ist, ist es meistens bereit.

  • Ringelblume: Die kleinen gebogenen Samenkörnchen werden sichtbar, wenn der Blütenkopf vollständig eingetrocknet ist.
  • Kapuzinerkresse: Die runden, runzeligen Samen fallen oft schon von selbst ab — einfach aufheben.
  • Bohne: Die Hülse wird braun und knisternd; drinnen nachtrocknen lassen und die Samen herauslösen.
  • Kräuter wie Dill oder Petersilie: Samen sitzen in kleinen Dolden — abschneiden, sobald sie sich leicht lösen, und ins Papiersäckchen streifen.

Auch Kosmee, Tagetes, Sonnenblume, Malve und Tomate eignen sich gut für den Einstieg.

Aufbewahren — einfacher als gedacht

Frisch gesammelte Samen brauchen vor allem eins: Trockenheit. Einfach ein paar Tage auf einem Teller oder Zeitungspapier bei Raumtemperatur trocknen lassen. Dann in eine Papiertüte oder einen Briefumschlag füllen, mit Pflanzenart, Sorte und Erntedatum beschriften — und kühl und dunkel lagern. Ein Glas im Keller oder ein trockenes Regal reicht völlig aus.

Zu feucht gelagerte Samen können schimmeln. Alles andere ist einfacher als oft gedacht.

Was einen Samen erst wertvoll macht

Saatgut selber gewinnen ist mehr als Sparen. Eine Sorte, die weitergegeben wird, bleibt lebendig — und mit ihr das Wissen: Das hat bei mir gut funktioniert. In diesem Garten, in diesem Boden, in dieser Höhenlage.

Dieses Wissen entsteht nicht in einem Katalog. Es entsteht in Gesprächen — genau so, wie die Regiogruppe Thun ihren Sinn beschreibt: sich treffen zum Austauschen, Unterstützen und voneinander Lernen.

Ein Papiersäckchen mit Ringelblumensamen und dem Satz «das ist von meinem Balkon in Spiez» ist genau diese Art von Weitergabe.

Bring deine Samen mit

Wenn du jetzt ein paar Samen sammelst: bring sie zum nächsten Treffen der Regiogruppe mit. Und bring deine Beobachtungen mit — was hat bei dir funktioniert, was weniger?

Kein Vorwissen nötig. Neugier reicht.

Kontakt: hallo@permakulturthun.ch
Webseite: permakulturthun.ch