Weniger aufräumen – was jetzt stehen bleibt, wird zum Winterquartier

Bevor du zur Gartenschere greifst: Der Winter braucht deine Stauden noch.

In vielen Gärten ist Oktober die Zeit des grossen Aufräumens. Stauden abschneiden, Laub zusammenrechen und wegführen, Beete leerräumen. Das fühlt sich ordentlich an. Aber naturnahe Gärtnerei dreht diesen Reflex um: Was wir als «Unordnung» wahrnehmen, ist für Igel, Insekten und Vögel oft das Wichtigste, was der Garten über den Winter zu bieten hat.

Die gute Nachricht: Du musst gar nicht mehr tun. Nur ein bisschen weniger aufräumen.


1. Stauden und Samenständer stehen lassen

Verblühte Staudenstängel, Sonnenblumenköpfe, Distelköpfe, Karden – lass sie stehen, bis das Frühjahr kommt. In hohlen Stängeln überwintern nützliche Insekten, zum Beispiel Marienkäfer und Florfliegen. Samenständer von Stauden, Disteln und Gräsern sind im Winter eine wichtige Futterquelle für Vögel – Stieglitze und andere Finkenarten suchen sie gezielt auf.

Den grossen Rückschnitt auf März oder April verschieben, wenn die Temperaturen wieder steigen und neue Triebe sichtbar werden. Bis dahin leistet der Garten noch stille, unsichtbare Arbeit.

2. Laub liegen lassen – oder zu einem Haufen aufschichten

Herbstlaub muss nicht verschwinden. Unter Hecken, auf Beeten und in ruhigen Gartenecken ist es willkommen: Es schützt den Boden vor starken Temperaturschwankungen, bietet Igeln und Käfern Unterschlupf und wird bis zum Frühling zu wertvollem Humus abgebaut – die Nährstoffe bleiben im Kreislauf.

Auf dem Rasen und auf Wegen ist Laub weniger ideal (Lichtmangel für den Rasen, Rutschgefahr). Da darf es weg – am besten mit dem Rechen. Laubbläser entwickeln Luftgeschwindigkeiten, die für Kleintiere gefährlich werden können.

Wer Laub zusammenrechen möchte: Einen Haufen in einer ruhigen Ecke anlegen und stehen lassen. Das reicht.

3. Einen Ast- oder Reisighaufen aufschichten

Ein locker aufgeschichteter Haufen aus Ästen, Reisig und etwas Laub in einer ungestörten Gartenecke bietet vielen Tieren einen vollwertigen Unterschlupf über den Winter: Igel nutzen ihn zum Überwintern, Insekten finden Nist- und Versteckplätze, Kleintiere fühlen sich darin wohl. Die Grundfläche muss nicht gross sein – aber je ungestörter die Ecke, desto besser.

An einer ruhigen, schattigen Stelle aufschichten, danach liegen lassen und möglichst wenig stören.


Der Gedanke dahinter

Das ist keine Faulheit – das ist naturnahe Gärtnerei. Mit der Natur arbeiten statt gegen sie, Kreisläufe zulassen, «Unordnung» als Lebensraum sehen. Das ist auch ein Grundgedanke der Permakultur: weniger eingreifen, genauer beobachten.

Wer die wilde Ecke diesen Winter stehen lässt, kann nachschauen: Wer besucht den Laubhaufen? Wer pickt an den Samenständern? Wer hinterlässt über Nacht Spuren im Laub? Das sind genau die Beobachtungen, die beim nächsten Treffen interessieren – unser Motto ist schliesslich Permakultur T(h)UN & BEO(bachten).


Nächstes Treffen

Aktuelle Termine und Treffpunkt findest du auf www.permakulturthun.ch oder per Mail unter hallo@permakulturthun.ch.


CTA

Kurzvariante: Was lässt du diesen Winter in deinem Garten stehen? Wir sind gespannt auf eure Beobachtungen beim nächsten Treffen.

Langvariante: Schau dir deine wilde Ecke an, bevor du zur Gartenschere greifst. Lass stehen, was stehen bleiben kann. Und dann: beobachten. Wer überwintert bei dir im Garten? Bring deine Beobachtung ans nächste Treffen mit.